Zolli ist Ozeanium einen Schritt näher

Artikel aus Baz-online, 18.10.2018

Der Grosse Rat bewilligt den Bebauungsplan für das Grossaquarium. Die Grünen wollen keine eingesperrten Tiere an der Heuwaage und bemängeln den Stromverbrauch des Neubaus.

«Unort». Immer wieder fiel in der gestrigen Grossratsdebatte über den Bebauungsplan des Zolli-Ozeaniums an der Heuwaage dieses Wort. Von einer «nicht einladenden Teerwüste» sprach der Präsident der das Geschäft vorberatenden Bau- und Raumplanungskommission. LDP-Grossrat Jeremy Stephenson: «Eine Umgestaltung der Heuwaage blieb bis anhin ohne Erfolg. Nun erhält die Stadt vom Zolli mit dem Ozeanium ein Geschenk für 100 Millionen Franken, ohne dass der Steuerzahler etwas daran zahlen muss.» Er forderte die Grossräte auf, dem Zolli die 1300 Quadratmeter auf der Heuwaage im Baurecht zuzusprechen. Der Zolli muss dafür im Gegenzug jährlich den eher symbolischen Betrag von 50 Franken Baurechtszins an den Kanton abliefern.

In der Abstimmung, nach einer über zwei Stunden dauernden und sehr emotionalen Debatte, folgte die Mehrheit der Parlamentarier schliesslich den Befürwortern des Grossaquariums. 69 Grossräte aus CVP-EVP, FDP, LDP, SP und SVP stimmten für das Projekt, 13 Parlamentarier aus den Reihen der Grünen und der SVP waren dagegen. 13 enthielten sich der Stimme.

475’000 Eintritte nötig

Die Voten der Politikerinnen und Politiker drehten sich unter anderem um die Sterblichkeit der Fische beim Transport und in den Aquarien, den Energieverbrauch oder das Interesse der Besucher an der vom Zolli geplanten Anlage. So war in den vorberatenden Kommissionen die Befürchtung geäussert worden, dass das Zuschauerinteresse nach ein paar Jahren nachlassen könnte. In seinen Studien geht der Zolli von 500’000 bis 800’000 Personen jährlich aus. Stephenson beruhigte die Skeptiker im Ratssaal, welche Befürchtungen äusserten, dass dereinst der Steuerzahler für den Betrieb aufkommen müsse: «Mit einem Eintrittspreis von 18 Franken liegt der Break-even bei 475’000 Eintritten.» Mit dieser Anzahl Besucher werden die Betriebsmittel und die Löhne für die rund 50 geplanten Mitarbeiter also gedeckt. Gemäss Stephenson ist das realistisch. Mit mehr Besuchern befindet sich das Ozeanium in der Gewinnzone.

Auch FDP-Grossrat Andreas Zappalà sprach bei der Heuwaage von einem «Unort» und ging auf die Thematik von toten Fischen während des Transports zu den Aquarien ein. So spricht beispielsweise die Tierschutzorganisation Fondation Franz Weber davon, dass bei gehandelten Korallenfischarten 80 Prozent der Fische während des Fangs, der Handhabung oder des Transports sterben müssten.

«Das sind nicht belegbare Argumente», sagte Zappalà. Ebenso sei auch nicht bewiesen, dass 90 Prozent der Fische in Gefangenschaft in Aquarien schneller als im Meer sterben würden. «Der Zolli übernimmt Verantwortung für das Tierwohl.»

Theater verbraucht mehr Strom

Bezüglich des intensiven Energieverbrauchs des Ozeaniums führte SP-Grossrätin Toya Krummenacher ins Feld, dass der Zolli bei der Projektierung vieles bereits unternommen habe, um den Energieverbrauch bei den Pumpen, Heizungen und Kühlungen zu senken. Dass das Ozeanium so viel Energie wie 1400 Haushalte verbrauche, halte einem Vergleich nicht stand. Ist das Ozeanium doch der Öffentlichkeit zugänglich. Ebenso würde das Theater zehnmal so viel Energie verbrauchen wie das Ozeanium, das bis 2024 fertig sein soll.

Dieses Argument liess Thomas Grossenbacher, Hauptredner der Ozeanium-Gegner, nicht gelten. «Das Theater steht bereits und das Ozeanium verbraucht neue Energie und schafft zusätzlichen Verkehr.» Ausser diesen Argumenten führte Grossenbacher auch das Tierwohl ins Feld, weswegen die Grünen dagegen seien: «Tiere einzusperren, ist ein antiquiertes Konzept, dessen Fortsetzung wir bekämpfen.» Grossaquarien hätten wenig mit der Realität zu tun. «Weder die Wasserverhältnisse noch das Futter oder das Umfeld in den Becken sind naturgerecht.» Grossenbacher zitierte zudem aus einer Studie, die belegen soll, dass Kinder im Zoo keinen positiven Lerneffekt hätten. «Das Bildungskonzept des Zoos ist überholt und stehen geblieben.»

Die Besucher zu bilden und ihnen die Zusammenhänge der Meere und ihre Probleme näherzubringen, ist eines der Ziele, die der Zolli mit dem Ozeanium verfolgt. Krummenacher widersprach bezüglich Pädagogik Grossenbacher, indem sie eine andere Zahl für den Lernerfolg ins Feld führte. «40 Prozent der Kinder werden keinen Plastik mehr in den Rhein werfen, wenn man sie mittels des Ozeaniums darauf aufmerksam macht», so die SP-Grossrätin.

Bevölkerung hat letztes Wort

Mitstreiter, die sich gegen das Ozeanium wendeten, fand Grossenbacher etwa in der Person von BastA!-Grossrätin Tonja Zürcher oder Stephan Luethi-Brüderlin. Der SP-Grossrat enthielt sich aber der Stimme. Zwar besitze er ein Zolli-Abo, das er mit seinen Enkelkindern auch nutze. «Ich habe im Zolli aber immer ein zwiespältiges Gefühl und weiss nicht, ob die Menschenaffen ihr Dasein hinter den Scheiben toll finden.» Die gleiche Frage stelle sich bei den Fischen, mit denen man ja nicht sprechen und sie nach ihrer Meinung fragen könne.

Wie Grossenbacher gestern angekündigt hat, werden die Grünen gegen den Entscheid des Grossen Rats das Referendum ergreifen. Da dieses wohl zustande kommen wird, dürfte das letzte Wort über den Bau des Grossaquariums an der Heuwaage die Basler Bevölkerung haben.