Leichter Rückgang der Leerwohnungsziffer, grösseres Angebot an Geschäftsräumen

Medienmitteilung des Präsidialdepartements vom 27.08.2020

Der Leerwohnungsbestand in Basel-Stadt hat innert Jahresfrist um 51 auf 1 073 Einheiten leicht abgenommen. Die Leerwohnungsquote liegt wie im Vorjahr bei 1,0%. Das ist weiterhin einer der tiefsten kantonalen Werte. Im städtischen Vergleich hingegen liegt der Basler Wert über demjenigen anderer Grossstädte.

Die Leerwohnungsquote beziffert den Anteil leerstehender – und auf dem Wohnungsmarkt per Stichtag 1. Juni erhältlicher – Wohnungen am gesamten Wohnungsbestand. In Basel-Stadt ist diese Quote im Juni 2020 um 0,05 Prozentpunkte auf 0,96% gesunken. Die Anzahl der leerstehenden Wohnungen hat sich von 1 124 auf 1 073 verringert. Gründe für den Rückgang liegen in der ab 2020 vorübergehend nachlassenden Bautätigkeit und dem gestiegenen Bevölkerungswachstum.

Bezüglich Zimmerzahl weist der Leerstand folgende Struktur auf: Am nächsten beim Mittelwert von knapp 1,0% befinden sich die Dreizimmerwohnungen mit gut 0,9%. Höhere Quoten von jeweils 1,6% und 1,2% entfallen auf die kleineren Wohnungen mit einem bzw. zwei Zimmern. Tiefere Werte weisen die grösseren Wohnungen mit vier (0,7%) sowie mit fünf und mit mindestens sechs Zimmern (je 0,4%) auf.

5% der Leerwohnungen sind Neubauwohnungen der letzten zwei Jahre. Bei 23% handelt es sich um Wohnungen, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre renoviert wurden. 72% der angebotenen Leerwohnungen sind unverändert,

Leerwohnungsziffer im Vergleich

Im Kanton Basel-Landschaft wurden gegenüber dem Vorjahr 125 leerstehende Wohnungen mehr, nämlich insgesamt 1 617 gezählt. Dies entspricht einem geringfügigen Anstieg der Leerwohnungsquote von 1,06% auf 1,13%. Für die gesamte Nordwestschweiz, d. h. auch unter Berücksichtigung der Bezirke Laufenburg und Rheinfelden im Kanton Aargau sowie der Bezirke Thierstein und Dorneck im Kanton Solothurn, ist aufgrund der zurzeit verfügbaren Zahlen mit einer geschätzten Leerstandsziffer von rund 1,3% zu rechnen.

Die gesamtschweizerische Leerstandsziffer 2020 liegt zurzeit noch nicht vor. Letztes Jahr betrug sie knapp 1,7% und dürfte aufgrund der bisher zugänglichen Kantonswerte weiter zunehmen. Im städtischen Vergleich liegt die Quote der Stadt Basel mit 1,0% deutlich über den für 2020 bereits verfügbaren Quoten von Zürich (0,2%), Bern und Winterthur (je 0,6%). Für die anderen Grossstädte liegen noch keine Zahlen vor.

Die räumliche Verteilung des Leerstands im Stadtkanton zeigt grossräumig ein recht ausgeglichenes Bild: Gross- und Kleinbasel weichen mit 1,0% bzw. 0,9% Leerstand nur geringfügig voneinander ab. Kleinräumig, auf der Ebene der Wohnviertel, treten die Unterschiede aber deutlicher hervor: Die höchsten Leerstandsquoten entfallen auf die Wohnviertel Vorstädte mit 2,0%, Altstadt Grossbasel mit 1,7% und Kleinhüningen mit 1,6%. Die Zentrumsnähe mit grösserem Anteil an Kleinwohnungen dürften diese vergleichsweise hohen Quoten mitbewirkt haben. Das Hirzbrunnenquartier mit 0,3% und das Wohnviertel Bachletten mit 0,5% weisen die niedrigsten Leerwohnungsquoten auf.

Leichte Erhöhung beim Leerstand von Geschäftsräumlichkeiten

Gemäss der zeitgleich vom Schweizerischen Verband der Immobilienwirtschaft beider Basel (SVIT) durchgeführten Erhebung im Geschäftsbereich hat sich das Angebot an leerstehenden Geschäftsflächen in der Region um 4,2% von 314 000 m2 auf 327 000 m2 erhöht. Im Stadtkanton stieg die Leerstandsfläche um 22 000 m2 (+22,2%), im Landkanton dagegen nahm sie um knapp 9 000 m2 (-4,0%) ab. Die Veränderungen im Stadtkanton sind auf grössere Leerstände bei den Büro-, Gewerbe-und Lagerflächen zurückzuführen. Die Verfügbarkeit von Produktions- und Ladenflächen nahm hingegen ab. Im Landkanton wurde eine Zunahme bei den Produktions-, Laden- und Gewerbeflächen verzeichnet. Rückläufig waren Büro- und Lagerflächen. Nach wie vor entfallen mit 121 000 m2 knapp 37% des gesamten Angebots auf den Stadt- und mit 207 000 m2 gut 63% auf den Landkanton.

Die Resultate basieren auf der Leerstandserhebung vom 1. Juni 2020. Diese wurde unter Leitung des Statistischen Amtes des Kantons Basel-Stadt bereits zum 26. Mal zusammen mit dem SVIT beider Basel (Geschäftsliegenschaften) und dem Statistischen Amt des Kantons Basel-Landschaft in den beiden Basel durchgeführt.

Kommentar der Kantons- und Stadtenwicklung zu den Leerstandszahlen 2020
Ausblick zur Entwicklung des Immobilienmarktes in Zeiten von Corona

Während der Wohnungsleerstand per 1. Juni 2020 auf dem Niveau vom Vorjahr verharrte, hat der Leerstand von Büro- und Gewerbeflächen merklich zugenommen. Auch wenn Schwankungen bei Büro- und Gewerbeflächen nicht aussergewöhnlich sind, geht die Kan-tons- und Stadtentwicklung davon aus, dass in den nächsten Jahren mehr Büro- und Ge-werbeflächen angeboten als nachgefragt werden und es mittelfristig zu Korrekturen kommt.

Die neusten Zahlen zum Wohnungsleerstand zeigen, dass die Wohnbautätigkeit im Kanton weiterhin stark gefordert ist, das aktuelle Bevölkerungswachstum aufzufangen. Gemäss den kürzlich veröffentlichten Bevölkerungsszenarien dürfte die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner weiter zunehmen. Bis 2035 werden rund 10‘000 zusätzliche Wohnungen gebraucht. Wenn es gelingt, die grossen Potentiale zur Schaffung von Wohnraum zu nutzen, kann Lukas Ott, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung, zuversichtlich in die Zukunft blicken: „Den grössten Beitrag für zusätzliche Wohnungen sollen nach wie vor die Transformationsareale liefern. Freiwerdende Industrie- und Güterareale, wie das Areal VoltaNord, der Walkeweg oder das Klybeck, werden schrittweise für Wohnnutzungen geöffnet und zu attraktiven Stadtteilen transformiert. Dort wird künftig nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt.“ Daher ist es wichtig, dass die Planungen weiter vorankommen.

Weiter geht der Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung davon aus, dass Büro- und Gewerbeflächen zukünftig vermehrt unter Druck kommen: „In Zusammenhang mit der Corona-Krise und dem wirtschaftlichen Druck könnten einzelne Unternehmen ihre Erfahrungen mit Home-Office

zum Anlass nehmen, Büroflächen und damit Kosten zu reduzieren. Verstärkend kommt hinzu, dass durch die Fertigstellung des zweiten Rocheturms eine weitere Rochade auf dem Büromarkt anstehen wird. Es ist daher absehbar, dass es in den nächsten Jahren zunehmend schwieriger wird, Büroflächen zu vermieten. Umgekehrt werden Umnutzungen zu Wohnungen attraktiver werden.“ Ein aktuelles Beispiel einer Büroumnutzung ist das abgeschlossene Projekt an der Klybeckstrasse 190, wo nebst zahlreichen Wohnungen auch Atelier-Wohnungen und Co-Living-Appartements für WGs entstanden sind. Bereits vor ein paar Jahren hat die Kantons- uns Stadt-entwicklung eine Potenzialstudie zur Umnutzung von Büroflächen in Wohnraum in Auftrag gegeben. Dabei zeigte sich, dass Umnutzungsvorhaben von Büroflächen durchaus wirtschaftlich sein können. 

Schliesslich macht Lukas Ott darauf aufmerksam, dass es auch im Bereich Airbnb aufgrund der Entwicklungen auf dem Messemarkt zu Korrekturen kommen kann. Eine Studie zeigte bereits, dass in Zusammenhang mit der Corona-Krise und dem Rückgang des Städtetourismus in Basel rund 250 Wohnungen auf den Onlineportalen verschwunden sind. Ein Teil davon dürfte zumindest mittelfristig (wieder) auf den Mietwohnungsmarkt gelangen.

Hinweise:

Die Daten sind abrufbar unter www.statistik.bs.ch/leerstand