Schulhauszuteilung und Bildungschancen

Bericht zum Quartierpalaver vom 12.09.2019

Conradin Cramer und der Moderator Bernard Senn beim Quartierpalaver am 12.09.2019 in der Aula der Primarschule Kaltbrunnen. Copyright: Philip Karger

Wie genau und nach welchen Kriterien ein Kind bei der Einschulung einem bestimmten Schulstandort zugewiesen wird, diese Frage treibt viele Eltern um. Zwar haben sowohl die Eltern als auch ihre Kinder die Möglichkeit, ihre diesbezüglichen Wünsche zu äussern, aber erfüllt werden können diese nicht immer zu hundert Prozent. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass viele (wenngleich nicht alle) Eltern bestimmte Schulstandorte aufgrund der soziodemografischen Zusammensetzung ihrer Schülerschaft anderen Standorten vorziehen, hat dieses Prozedere auch eine sozialpolitische Komponente.

Auf Einladung des Stadtteilsekretariats Basel-West stellte sich deshalb Conradin Cramer, Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungsdepartements, in der Aula der Primarschule Kaltbrunnen den Fragen des Moderators und des Publikums zum Thema Schulhauszuteilung und Bildungschancen. Gleich zu Beginn stellte Cramer klar: „Die Schulhauszuteilung ist unpolitisch.“ Er selbst nehme in keinster Weise Einfluss auf das Prozedere, und wenn Eltern an ihn persönlich gelangten – was durchaus vorkäme – so würde er die entsprechenden Dossiers an die zuständigen Stellen in der Verwaltung weiterleiten, und zwar ohne Weisung dazu, wie damit zu verfahren sei.

Die Wünsche der Eltern und Kinder werden berücksichtigt

Die Verwaltung gibt den Eltern und ihren Kindern die Möglichkeit, sowohl beim Eintritt in die Volksschule als auch bei jedem Stufenwechsel ihre eigenen Präferenzen zu äussern. Dass diese Wünsche zwar meistens, aber eben nicht immer, ganz erfüllt werden können, liege oftmals schlichtweg an den fehlenden Kapazitäten an gewissen Schulstandorten. Eine Steuerung aufgrund sozialdemographischer respektive sozialpolitischer Erwägungen gebe es nicht.

Im Übrigen werde bei der Schulhauszuteilung so verfahren, dass einerseits der Schulweg ein Zumutbarer sei. Wenig überraschend ist also der Wohnort ein wichtiges Kriterium für die Schulhauszuteilung eines Kindes. Andererseits aber werden auch die legitimen Wünsche der Eltern und ihrer Kinder berücksichtigt. Legitim seien diese Wünsche insbesondere dann, wenn ein Kind einen Grossteil seiner Zeit ausserhalb der Schule an einem Ort (beispielsweise einer Tagesstruktur oder einer Tagesfamilie) verbringt, welcher nahe dem gewünschten Schulstandort liege oder aber wenn ein für das Kind wichtiges „Gspänli“ denselben Schulstandort besucht. In Streitfällen werde das Gespräch mit den Eltern gesucht.

Kein ‚Social Engineering‘

Während beispielsweise in gewissen US-amerikanischen Ortschaften Kinder mit Bussen in teils weit entfernte Schulen gebracht werden, um eine ausgeglichene soziodemografische Zusammensetzung möglichst aller Schulen zu erreichen, sehe man in Basel bewusst von solchen Massnahmen ab, so Conradin Cramer. Ein ‚Social Engineering‘ in diesem Sinne werde nicht betrieben.

Er sei sich zwar bewusst, dass gewisse Schulstandorte entsprechend der Bevölkerungsstruktur im Quartier schwierigere Voraussetzungen aufweisen als andere, aber in Basel, so Cramer, sei die soziale Durchmischung in den Quartieren insgesamt gewährleistet. Dies komme auch den einzelnen Schulstandorten zugute. Ausserdem setze er grosse Hoffnungen in Entwicklungsgebiete wie beispielsweise das Areal Westfeld: Hier entstehe Wohnraum, welcher dazu beitrage, dass sich die soziale Durchmischung erhöhe.

Heikler Umgang mit Daten

Grundsätzlich stellt sich Conradin Cramer auf den Standpunkt, dass es ungeachtet all der soziodemographischen Unterschiede zwischen den Schulstandorten in Basel-Stadt nur gute Schulen gebe. Schulen, welche in sozial anspruchsvolleren Quartieren liegen, werden zusätzliche Mittel bereitgestellt, mit denen sie ihre schwierigere Ausgangslage ausgleichen können.

Forderungen, wonach die Zahlen öffentlich zu machen seien, welche Schulen bei den Eltern am beliebtesten seien, erteilte Cramer eine Absage – auch wenn dies seiner liberalen politischen Intuition widerspreche. Ein Veröffentlichung solcher Daten würde bloss dazu beitragen, dass sich bestehende Vorurteile verhärten.