Statistisches Amt: Der Wohnungsbau im Kanton Basel-Stadt 2019

Medienmitteilung des Präsidialdepartements vom 24.01.2020

Im Kanton Basel-Stadt wurden im vergangenen Jahr 865 Neubauwohnungen erstellt. Das ist der höchste Wert seit 1981. Dies geht aus der Wohnbaustatistik des Statistischen Amtes hervor.

Statistisches Mit 865 Einheiten erreichte die Neubauproduktion 2019 den höchsten Wert seit 1981 (924). Zum aktuellen Ergebnis massgeblich beigetragen haben drei grosse Überbauungen. Auf sie entfielen gut 60% aller Neubauwohnungen. In der Bauphase gibt es zurzeit gut 1 500 Logis und gut 500 sind bewilligt. Sie werden in den nächsten Jahren, vor allem ab 2021, auf den Markt gelangen und weiterhin zu einer hohen Wohnungsproduktion beitragen.

40% der Neubauwohnungen weisen zwei Zimmer auf. Bei 27% handelt es sich um Dreizimmer- und bei 13% um Vierzimmerwohnungen. Der Rest verteilt sich auf Wohnungen mit einem (11%) oder mindestens fünf Zimmern (9%). Rund die Hälfte der Neubauwohnungen wurden in Kleinbasel erstellt, 44% in Grossbasel und 6% in Riehen und Bettingen. Nach Wohnvierteln aufgeschlüsselt entfallen auf das Wohnviertel Rosental 44% der neuerstellten Wohnungen. Der Wohnungsbestand des Wohnviertels wuchs dadurch um rund 11%. Verantwortlich dafür ist die Grossüberbauung Bâleo Erlenmatt auf dem Transformationsareal Erlenmatt mit 317 Wohnungen (37%). Eine Neubauwohnung wies 2019 durchschnittlich 85 Quadratmeter Wohnfläche auf und ist somit grösser als der Durchschnitt aller Wohnungen, welcher derzeit bei 80 Quadratmetern liegt.

Miet- und Genossenschaftswohnungen mit Anteilen von jeweils gut 83% bzw. 6% machen rund 90% der neuen Logis aus. Die restlichen Wohnungen werden vom Eigentümer selbst bewohnt (6%) oder wurden von gemeinnützigen Stiftungen erstellt (5%). Bei 44% der Neubauwohnungen war der Auftraggeber eine Kapitalgesellschaft. 26% wurden von einem Unternehmen der Immobilienbranche in Auftrag gegeben. Knapp 12% der Wohnungen wurden von Stiftungen erstellt. Der Rest verteilte sich auf Pensionskassen oder Anlagestiftungen (7%), Wohngenos-senschaften (6%), Privatpersonen (4%) sowie Einzelfirmen (2%).

Aus allen Umbautätigkeiten wie Dachstockausbauten, Zusammenlegen bzw. Aufteilen von Wohnungen sowie Umnutzungen resultierten 2019 weitere 331 neue oder neuwertige Wohnungen. Im Rahmen dieser Umbautätigkeiten wurden 173 Logis aufgehoben, so dass sich ein Umbausaldo von insgesamt 158 Wohnungen ergibt. Unter Berücksichtigung der abgebrochenen (186) und neuerstellten Wohnungen (865) resultierte 2019 eine Nettoproduktion von 837. Dieser Wert liegt deutlich über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre (rund 450).

Rekordhohe Anzahl neuer Wohnungen im vergangenen Jahr

Kommentar der Kantons- und Stadtentwicklung

Im Kanton Basel-Stadt werden derzeit so viele Wohnungen gebaut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nachdem im Jahr 2018 bereits knapp über 800 Wohnungen fertiggestellt wurden, kamen im vergangenen Jahr nochmals 865 Neubauwohnungen hinzu. Damit reagiert das Wohnungsangebot mit etwas Verzögerung auf die positive Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung des vergangenen Jahrzehntes. Die wohnpolitischen Herausforderungen, genügend, durchmischten und preisgünstigen Wohnraum zu erstellen, bleiben bestehen.

Das knappe Wohnraumangebot ist eine der zentralen Herausforderungen im Kanton Basel-Stadt. Der Kanton ist aufgrund der dynamischen Entwicklung der Wirtschaft und der Bevölkerung auf zusätzlichen Wohnraum angewiesen. Die erhöhte Wohnbautätigkeit stellt aus Sicht der Kantons- und Stadtentwicklung eine erfreuliche Entwicklung dar.

Die rege Bautätigkeit sorgt dafür, dass sich die Leerwohnungsquote im vergangenen Jahr auf 1% steigerte und über den Quoten vergleichbarer Städte wie Zürich, Bern, Genf oder Lausanne liegt. Damit weiterhin genügend und insbesondere auch preisgünstiger Wohnraum entsteht, sind nach wie vor alle Wohnbauträger inklusive dem Kanton selbst gefordert.

Zentrale Rolle der Arealentwicklungen

Mit der neuen Wohnüberbauung Bâleo auf dem Erlenmattareal und dem Meret Oppenheim Hochhaus beim Bahnhof zeigt sich erneut, dass insbesondere grössere Arealentwicklungen das Angebot von zusätzlichem Wohnraum steigern. Gemeinsam sind sie für rund die Hälfte aller im Jahr 2019 neu auf den Markt gekommenen Wohnungen verantwortlich. Erfreulich ist zudem, dass bei beiden Arealen keine bestehenden Wohnungen abgebrochen werden mussten.

Auch in den kommenden Jahren ist die Stadt Basel in der glücklichen Situation, mit den Transformationsarealen über grosse Entwicklungsgebiete zu verfügen, auf denen ebenfalls kein Wohnraum abgebrochen werden muss, um im bestehenden Siedlungsgebiet verdichteten Neubau zu erreichen. Zudem ist im kantonalen Richtplan behördenverbindlich festgehalten, dass auf diesen Arealen mindestens ein Drittel des realisierten Wohnraums preisgünstig sein soll.

Lukas Ott, der Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt : „Der Kanton ist aufgrund der dynamischen Entwicklung der Wirtschaft und der Bevölkerung auf zusätzlichen Wohnraum angewiesen. Bereits heute weist der Kanton einen Anteil von 13% gemeinnützigen Wohnungen auf, der mit verschiedenen Massnahmen schrittweise auf 25% gesteigert werden soll. Dazu beitragen wird neben den Wohnbaugenossenschaften das kantonale Wohnbauprogramm 1000+ sowie eine neu zu schaffende öffentlich-rechtliche Wohnbaustiftung.“

Umsetzung der Wohninitiativen

Mit der Annahme der Wohninitiativen und der verfassungsrechtlichen Verankerung des Wohnschutzes und des Rechts auf Wohnen hat die Basler Stimmbevölkerung im Juni 2018 ihre Sorge um den preisgünstigen Wohnraum im Kanton deutlich zum Ausdruck gebracht.

Künftig sollen Sanierungen, Umbauten oder Abbrüche von bestehenden preisgünstigen Mietwohnungen nur noch bewilligt werden, wenn die damit verbundenen Mietzinsaufschläge die vom Kanton festgelegten Obergrenzen einhalten. Der entsprechende Gesetzesentwurf des Regierungsrates liegt derzeit in der parlamentarischen Beratung.

Weiter wird der Kanton in den kommenden Jahren neben der bestehenden Subjekthilfe (Mietzinszuschüsse im Rahmen der Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen oder Familienmietzinsbeiträgen) die Objekthilfe mittels Förderung des gemeinnützigen Wohnraumangebotes sowie Erstellung eigener preisgünstiger Wohnungen verstärken.